Herzog GEORG I. von Sachsen Meiningen (1761-1803) veranlasste ab 1798 die Gestaltung der Umgebung seiner Sommerresidenz. In diesen Kontext fällt die Gründung des Kurortes Bad Liebenstein (vorher: Grumbach und Sauerborn) und die Gestaltung der Landschaftsparks auf dem Altensteiner und dem Liebensteiner Riff. Das Besondere an beiden Parks ist, dass geogene Elemente, wie z.B. Felsen, Höhlen, gezielt in die Parkgestaltung einbezogen wurden.

Das Altensteiner Riff ist mit einer Fläche von ca. 1,6 km2 das größte Zechsteinriff in der Umrandung der Ruhlaer Insel und einer der größten fossilen Einzelriffkörper in Deutschland. Das Riff ist nahezu in seiner ursprünglichen Form von der Erosion herausmodelliert worden und die ursprüngliche Riffmorphologie (Hinterriff, Riffplattform, Riffschulter, Oberer und Unterer Riffabhang) kann man hier geradezu exemplarisch studieren.

Die unterschiedlichen Riffbereiche weisen auch Unterschiede in der fossilen Fauna auf. So finden sich z.B. im Bereich der Riffschulter (reef crest) fast ausschließlich am Meeresboden festgewachsene (fixosessile) Hartgrundbewohner, die im stark bewegten Wasser lebten. Weichbodenbewohner befinden sich in geschützteren Bereichen der Riffplattform (reef flat). Die Fauna des salzhaltigeren Hinterriffbereiches (back reef) ist stark verarmt. Die eigentlichen Hauptriffbildner waren kalkabscheidende Mikroorganismen, die die Stromaria (GEINITZ) genannten Gebilde aufbauen. Unterstützt werden sie beim Riffaufbau durch Mosstierchen (Bryozoen).

Das Altensteiner Riff sitzt hauptsächlich dem Ruhlaer Granit (295 ± 2 Millionen Jahre) auf, der hier einen Härtling bildete. Im Laufe seines Wachstums griff das Riff auch auf Sedimente des Rotliegend über. Auf der Luv-Seite erreichen die Riffgesteine eine Mächtigkeit von fast 130 m. und sind intensiv verkarstet. Obwohl Riffkarbonate des Zechsteins in Thüringen nur eine Fläche von etwa 36 km2 einnehmen, stecken 140 der etwa 400 bekannten Thüringer Karsthöhlen in diesen Gesteinen!

Beim Bau der Chaussee zum Altensteiner Schloss wurde im Juni 1799 die Altensteiner Höhle entdeckt. Sie wurde bis 1802 als erste Schauhöhle Thüringens erschlossen. Die Höhle ist quasi der unterirdische Teil des Landschaftsparks und wurde in dem gleichen frühromantischen Stil gestaltet. So wurde z.B. ein See für Bootsfahrten untertage angestaut (siehe BRUST, 2002). Die Altensteiner Höhle ist mit deutlich über 2 km erkundeter und vermessener Ganglänge derzeit die längste Höhle Thüringens.

Das Altensteiner Riff ist die bedeutendste Typuslokalität wirbelloser Fossilien des Zechsteins. Etwa die Hälfte aller bekannten und wissenschaftlich untersuchten Arten der Zechstein-Riffkarbonate wurde erstmals aus dem „Höhlenkalkstein von Glücksbrunn“ beschrieben. Darunter so bekannte Fossilien wie die Riffbryozoe Rectifenestella („Fenestella“) retiformis (SCHLOTHEIM, 1820a, emend. ERNST, 2001).

Der Gothaer Paläontologe Ernst Friedrich von SCHLOTHEIM (1764-1832) steht am Anfang der Forschungsgeschichte des Altensteiner Riffkomplexes. Er erkannte in den Kalkfelsen von Schweina und Liebenstein erstmals fossile Riffe (zwei Jahrzehnte bevor Roderik I. MURCHINSON die fossilen Riffe Gotlands als solche erkannte).

Bei der Erschließung der Altensteiner Höhle wurde viel Höhlensediment ausgeräumt. Dabei sind zahlreiche Reste pleistozäner Wirbeltiere v.a. des Höhlenbären Ursus spelaeus (ROSENMÜLLER, 1794) zum Vorschein gekommen. Sie fanden Eingang in die erste umfassende anatomische Studie des Höhlenbären durch ROSENMÜLLER (1804).

Die Altensteiner Höhle erschließt in ihren weitläufigen, nur den Höhlenforschern zugänglichen, Teilen aber auch eine Fossillagerstätte in ihrem oberpermischen Muttergestein. Es handelt sich dabei um einen kaum verfestigten Fossildetritus aus der Frühphase der Riffentwicklung aus dem ohne chemische Aufbereitung kalkschalige Klein- und Mikrofossilien gewonnen und untersucht werden können.