Der Thüringer Wald gehört zu den größten geschlossenen Waldgebieten Deutschlands. Die Fläche des Thüringer Waldes ist bis zu 70 % bewaldet – hier hat sich die ursprünglich geschlossene Walddecke ganz Thüringens noch erhalten, auch wenn anstelle von Laubhölzern Nadelhölzer dominieren. Der damals dichte Laubwald vornehmlich aus Buchen fiel der Energiegewinnung zum Opfer. Bis ins 18. Jahrhundert gab es mehr Einschlag als Zuwachs. Für die Aufforstung wurde in den vergangenen 200 Jahren die Fichte (Picea abies) genutzt.

Mit den Höhenstufen treten im Thüringer Wald vier verschiedene Bewaldungstypen auf:

  • die Hügellandstufe bis ca. 350 m ü. NN mit Rotbuchen (Fagus sylvatica);

  • die Eichen-Buchen-Mischwaldstufe im Eisenacher Raum (350-550 m ü. NN) mit typischen Rotbuchenwäldern und der Traubeneiche (Quercus petraea);

  • die montane Bergmischwaldstufe (550-850 m ü. NN) mit verschiedenen Rotbuchen- und Bergahorn-Schatthangwäldern neben den Fichten und

  • die boreale Bergnadelwaldstufe über 850 m ü. NN, in der das Fichtenvorkommen natürlich ist

Die Waldtypen gehen fließend ineinander über. Erwähnenswert ist, dass sich auf der Kuppe des Großen Inselsberges der höchstgelegene Buchenwald Thüringens befindet. Das ist sehr außergewöhnlich, da hier die Fichte natürlicherweise bestandsbildend wäre. Erklärt werden kann dies durch die isolierte Lage des Berges von vergleichbaren Höhen im zentralen Thüringer Wald und die vorherrschende Buche im Gebiet. Der Mensch scheint hier nur wenig Einfluss gehabt zu haben, da schon im 16. Jahrhundert der Buchenbestand auf dem Berggipfel erwähnt wird.

Am Rennsteig herrscht eine typische Mittelgebirgsvegetation vor, die im Vergleich zum restlichen Thüringen weniger variabel ist. Botanisch könnte man den Thüringer Wald von Nordwesten nach Südosten in drei Zonen gliedern:

  • Der nordwestliche Teil bis zur Hohen Sonne stellt einen armen Eichen-Buchen-Wald dar (196 bis 434 m ü. NN), wo auf Wiesen und Äckern v. a. Stechender Hohlzahn (Galeopsis tetrahit), Kornblume (Centaurea cyanus), Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense) und Gemeiner Löwenzahn (Taraxacum officinale) wachsen.

  • Weiter in südöstlicher Richtung schließt sich bis zur Ebertswiese das Laubwaldgebiet mit vorherrschender Buche an (710 bis 790 m ü. NN).

Charakteristische Arten sind hier neben Edellaubhölzern, wie Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Bergulme (Ulmus glabra) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Waldschwingel (Festuca altissima), Roter Holunder (Sambucus racemosa) sowie schmalblättrige Hainsimse (Luzula luzuloides).

  • Das restliche Gebiet des Thüringer Waldes wird durch den Fichten-Tannen- Buchenwald bestimmt. Aufgrund von Anpflanzungen ist die Fichte bis in die niedrigsten Lagen dominant. Rotbuchen (Fagus sylvatica), Weiß- oder Edeltannen (Abies alba) sind sehr selten. Waldsauerklee (Oxalis acetosella), Wolliges Reitgras (Calamagrostis villosa), Drahtschmiele (Avenella flexuosa) und Heidekraut (Calluna vulgaris) gedeihen unter dem Fichtenwald.

Typisch für die Bergwiesen sind Arnika (Arnica montana), Bärwurz (Meum athamanticum) und Borstgras (Nardus stricta), auf Talwiesen eine Kräuterwiesenvegetation mit Trollblume (Trollius europaeus), Wiesenknöterich (Bistorta officinalis) und Waldstorchschnabel (Geranium sylvaticum).