Einblicke in unsere tägliche Arbeit

An dieser Stelle berichten wir in loser Folge über die Arbeit der Geowissenschaftler, Geopark- und Bergwerksführer, Touristiker und Planer hinter den Kulissen des Geoparks. Freuen Sie sich auf neue Einblicke in unsere tägliche Arbeit am Schreibtisch, im Geopark, in den Besucherbergwerken und auf Forschungsgrabungen.

No. 2 – Grubenunterhalt

Besucherbergwerk „Hühn“, Brotterode-Trusetal, 13. April 2022

Wir sprechen heute mit dem ausgebildeten Bergmann und Betriebsleiter des Besucherbergwerks „Hühn“, Thomas Kaebel aus Brotterode-Trusetal. Er ist mit seinen Kolleginnen und Kollegen vom Verein Bergbau und Heimat Trusetal e.V. unter anderem für Bergwerksführungen und den technischen Unterhalt des Besucherbergwerks verantwortlich.

 

Thomas, schildere uns doch mal, was ihr beim Grubenunterhalt, in der Bergmannsprache „GU“ abgekürzt, so macht.

Im Wesentlichen sind wir für die Sicherheit und Instandhaltung des Besucherbergwerks zuständig. Das fängt bei täglichen Sicherheitsüberprüfungen an, geht weiter über bauliche Instandsetzungen bis hin zur Messung von Gaskonzentrationen und die Sicherstellung einer guten Bewetterung des Bergwerks. Schwer wird die Arbeit vor allem dann, wenn massive Stempel erneuert und die Stollen neu verbaut werden müssen, damit unseren Besucherinnen und Besuchern auch ein sicheres Bergwerkserlebnis in Erinnerung bleibt und Ihnen nichts auf den Kopf fällt.

 

Wann macht ihr das alles?

Der Grubenunterhalt findet überwiegend im Winterhalbjahr statt, wenn der Besucherbetrieb noch ruht, also kurz vor Saisonbeginn. Dann haben wir alle Hände voll zu tun und beseitigen die Schäden, die eindringendes Wasser an den Holzeinbauten verursacht hat. Das Bergwerk verschlingt dabei Unmengen an Holz. Von Zeit zu Zeit müssen auch die technischen Einbauten wie Beleuchtung und Stromzufuhr für die Kompressoren überprüft werden. Eigentlich geht, wie in jedem Betrieb, immer mal was kaputt. Und wenn es nur eine kleine Glühlampe ist. Im Bergwerk ist aber selbst das eine Herausforderung, weil man nicht mal eben ins Materiallager gehen und Ersatz holen kann. Man muss sich gut überlegen, was man wie macht, weil die Wege teilweise weit und beschwerlich sind.

 

Bleiben wir beim Thema weite Wege. Wie weit reicht das Bergwerk eigentlich untertage?

In aktiven Zeiten konnte man von Atterode bis nach Atzerode laufen, also schon einige Kilometer. Heute geht das aber nicht mehr, denn die Stollen und Schächte stehen teilweise unter Wasser und sind größtenteils verwahrt, weil der Bergbau mit der Wende vor über 30 Jahren eingestellt wurde. Außerdem ist es lebensgefährlich, da die Stollen nicht mehr regelmäßig gesichert und auch nicht mehr ausreichend bewettert werden. Es wäre keine gute Idee, da reinzugehen!

 

Was würdest du als das Spannendste an deinem Beruf beschreiben?

Das ist ganz klar die Bergbaugeschichte rund um Trusetal, die wir unseren Besucherinnen und Besuchern näherbringen möchten. Hier in Trusetal und Umgebung wurde ja über Jahrhunderte Bergbau betrieben, wir haben also eine sehr reiche Bergbaugeschichte. Sehr interessant ist auch die vielfältige Geologie unserer Gegend mit ihren Erz- und Spatvorkommen – sie ist die Grundlage unseres Bergbaues.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft des Besucherbergwerks „Hühn“?

Dass wir wieder mehr Besucher bei uns begrüßen dürfen! Das Besucherbergwerk „Hühn“ ist in der Region einzigartig und bietet viele spannende Entdeckungen und Wissenswertes über den jahrhundertelangen Bergbau am Südrand des Thüringer Waldes. Mittlerweile ist das Bergwerk ein kultur- und industriehistorischer Schatz geworden, den wir gern weiterentwickeln möchten. Das geht aber nur, wenn alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen und sich darüber bewusst sind, welches Potential in unserem Bergwerk steckt. Dass Brotterode-Trusetal Teil des UNESCO Global Geoparks Thüringen Inselsberg - Drei Gleichen ist, stimmt uns sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam etwas erreichen können. 2020 konnten wir mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Stadt bereits die marode Holzbrücke zum Spatbunker sanieren, aktuell ist der Bergbaulehrpfad Trusetal (GeoRoute 16) in der Überarbeitung und wir haben viele Ideen für weitere, spannende Projekte, welche die Attraktivität des Besucher­bergwerks erhöhen sollen. Sorgen bereitet mir allerdings der Nachwuchs an Bergwerks­führern und technischem Personal, also ausgebildeten Bergleuten. Das ist eine wichtige Baustelle, die wir mit der Zeit hoffentlich auch in den Griff kriegen. Wenn unser Konzept aufgeht und die Gäste zu uns kommen, dann sehe ich eine gute Zukunft für unser Besucherbergwerk.

Thomas, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir und deinem Team ganz viel Erfolg bei Euren Vorhaben!

No. 1 – Sammlungsarbeit im Geopark

Besucherbergwerk "Hühn", Brotterode-Trusetal, 18. März 2022

Ob Fossilien, Minerale, Erze oder Gesteine – hinter jeder Ausstellung, Präsentation oder auch nur einem Foto steht die meist nicht öffentlich sichtbare Arbeit an den im Geopark vorhandenen Sammlungen. Dazu gehört eine fachgerechte Inventarisierung der Stücke vor Ort und in einer Datenbank genauso wie die fotografische Aufnahme zur Dokumentation oder für Veröffentlichungen. Diese Arbeiten unterstützt der Geopark-Geologe Stephan Brauner mit Fachwissen und Fototechnik – wie hier bei der Aufnahme der mineralogischen und historischen Sammlung des Besucherbergwerks "Hühn" in Brotterode-Trusetal.

Ziel ist es, die Sammlung(en) möglichst vollständig zu dokumentieren, die Informationen über die Sammlungsstücke zu sichern und bei Bedarf weiter zu ergänzen, denn eine gute Sammlung besteht nicht nur aus den Stücken selbst, sondern auch aus den vielfältigsten Angaben zur chemischem Zusammensetzung, Herkunft, zu den Fundumständen und zum Finder. Das erfordert bisweilen Detektivarbeit sowie das Entziffern von alten Handschriften in Kurrent oder Sütterlin.