Gestein des Jahres

Gestein des Jahres 2022: Gips und Anhydritstein

Gips- und Anhydritstein bestehen aus einem einzigen Mineral: Kalzimsulfat. Sie werden daher auch als monomineralische Gesteine bezeichnet. Der wesentliche Unterschied zwischen Gips und Anydritstein besteht im höheren Kristallwassergehalt des Gipssteins. Geologen bezeichnen Anhydrit daher scherzhaft als Gips ohne Wasser. Am Besten wird der Unterschied in den chemischen Formeln der Minerale deutlich:

Gips: CaSO4 * 2H2O

Anhydrit: CaSO4

 

Gips- und Anhydritstein kommen in der Regel immer gemeinsam vor, denn Anhydrit wurde aus Gips gebildet. Dies geschah durch die Überlagerung von Gipsgestein mit immer neuen Sedimenten, sodass Druck und Temperatur stiegen und dem Gips so das Kristallwasser entzogen wurde.

Umgekehrt kann sich durch Wasseraufnahme zum Beispiel an der Erdoberfläche aus Anhydrit über geologische Zeiträume auch wieder Gips bilden. Dringt das Wasser durch Klüfte und Spalten tiefer in das Gestein ein, kann Gips auch in größeren Tiefen entstehen.

Gips- und Anhydritstein kommen in Thüringen vor allem im Südharz, am Kyffhäuser, in Südthüringen bei Unterwellenborn und am Nordrand des Thüringer Waldes, also auch im UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen vor. Gipsfundstellen gab und gibt es zum Beispiel zwischen Schmerbach und Seebach, im Drei Gleichen-Gebiet am Eckhardtshög bei Mühlberg oder im Alabasterbruch unterhalb der Wachsenburg an der GeoRoute 2. Gips wurde auch in Kittelstahl bei Ruhla, im Herzog-Ernst-Stollen bei Friedrichroda (der späteren Mariengashöhle, GeoRoute 7) und untertage in Floh-Seligenthal abgebaut.

Aber warum ist Gips- und Anhydritstein so wichtig, dass sie zum Gestein des Jahres 2022 gekürt wurden?

Ganz einfach: sie sind gefragte Rohstoffe vor allem in der Bauindstrie, denn viele unserer modernen Baustoffe bestehen in Teilen oder ganz aus Gips- bzw. Anhydrit: Wandbauplatten, Gips-Faserplatten, Stuckgips, Gips- und Anhydrit-Estriche und Zement, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus wird Gips in der Lebens­mittelindustrie, in der Kosmetik- und Pharmaindustrie, in der Medizin und in der Landwirtschaft eingesetzt.

In Deutschland werden jährlich ca. 10 Millionen Tonnen Gips- und Anhydritstein verbraucht. Ein großer Teil des Gipses kommt heute noch aus sogenannten Rauchgasentschwefelungsanlagen. Der REA-Gips entsteht dabei im Kontakt der schwefelhaltigen Kraftwerksabgase mit einer Kalksuspension und reagiert chemisch zu Kalziumsulfat. Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 fallen damit auch ca. 5 Millionen Tonnen REA-Gips weg, weshalb die Nachfrage nach natürlichen, chemischen (Industriegipse) und sekundären Gipsen (Recycling-Gipse, aufbereitete Phosphorgipse) in Zukunft weltweit steigen wird.


Gestein des Jahres 2020/21: Andesit

Seinen Namen erhielt das Gestein von den Anden in Südamerika, wo es weit verbreitet ist. In Deutschland kommt es u.a. im Thüringer Wald vor. Das Gestein des Jahres wird seit 2007 jährlich von einem Expertengremium gekürt, um die geologische Entstehung und wirtschaftliche Bedeutung der Gesteine in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Der Unternehmerverband Mineralische Baustoffe e.V. (UVMB) gibt dazu eine Schriftenreihe aus übersichtlichen und leicht verständlichen Flyern sowie umfangreichen Broschüren mit hochkarätigen Fachbeiträgen heraus, die laufend erweitert wird (Quelle: www.uvmb.de). Die aktuelle Broschüre zum Gestein Andesit könne Sie durch Anklicken öffnen. Sie finden sie neben anderen Publikationen auch in der Mediathek des UVMB unter www.uvmb.de.